Berlin – Krankheiten kosten das Gesundheitssystem und den Steuerzahler immer mehr Geld! Durch Behandlungen, Operationen und Co. sind im Jahr 2024 direkte Kosten von 528,5 Milliarden Euro verursacht worden. Laut Statistischem Bundesamt ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um 7,6 Prozent oder 37,5 Milliarden Euro.
Bei Frauen lagen die Pro-Kopf-Kosten bei 6960 Euro, bei Männern bei 5680 Euro. Die höchsten Kosten verursachten bei weiblichen Patienten psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen (darunter Demenz), bei männlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Aber warum der starke Anstieg der Kosten? Werden wir öfter krank oder wird krank sein immer teurer? Gesundheitsökonom Nicolas Ziebarth (44) vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim zu BILD: „Die gesundheitsökonomische Literatur ist sich weitestgehend einig, dass der medizinisch-technologische Fortschritt der Haupttreiber der (…) überproportionalen Ausgabenanstiege im Gesundheitswesen ist.“
Neue Behandlungsmöglichkeiten, spezialisierte Medizintechnik und moderne Medikamente treiben die Ausgaben also nach oben. „Gleichzeitig wird ein geringerer Teil des Anstiegs auf die Alterung der Gesellschaft zurückgeführt“, so Ziebarth. Dass wir systematisch kranker würden, dafür gebe es keine Nachweise.
Experte erwartet weiter steigende Kosten
Der Ökonom und Gesundheitsexperte Christian Hagist (48) von der „WHU – Otto Beisheim School of Management“ analysiert: „Hier kommt vieles zusammen: steigende Löhne im personalintensiven Gesundheitsbereich, immer mehr medizinische Behandlungsmöglichkeiten und eine alternde Gesellschaft.“ Für Hagist heißt das nicht, „dass wir plötzlich alle kränker werden. Aber die Ausgaben für Gesundheit und Pflege werden weiter steigen“.
Das bestätigen auch die Daten des Statistischen Bundesamts, demnach steigen die Krankheitskosten mit dem Lebensalter: Mehr als die Hälfte der Gesamtkosten (53,8 Prozent) entstand 2024 allein bei der Bevölkerung ab 65 Jahren. Dies entsprach Pro-Kopf-Kosten von 15.080 Euro in dieser Altersgruppe. Die geringsten Pro-Kopf-Kosten entstanden in der Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen mit 2390 Euro.