Politik

Fast 50 Prozent der Stimmen: UniCredit steht vor Kontrolle über Commerzbank

Fast 50 Prozent der Stimmen: UniCredit steht vor Kontrolle über Commerzbank
TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Frankfurt – Der Übernahmepoker um die Commerzbank spitzt sich zu. UniCredit ist ihrem Ziel, Deutschlands zweitgrößte Privatbank zu übernehmen, einen großen Schritt näher gekommen. Nach Abschluss ihres Übernahmeangebots halten die Italiener nun direkt 44,37 Prozent der Commerzbank-Aktien. Mit weiteren Zugriffsrechten steigt ihr Anteil sogar auf 47,59 Prozent. Bei den Stimmrechten kommt UniCredit damit bereits auf 49,65 Prozent. Das ist deutlich mehr, als viele Beobachter erwartet hatten.

Der Kampf um die Commerzbank läuft seit fast zwei Jahren. Im Herbst 2024 stieg die italienische Großbank UniCredit überraschend bei der Frankfurter Traditionsbank ein. Seitdem baut UniCredit-Chef Andrea Orcel (63) seinen Einfluss Schritt für Schritt aus. Sein Ziel: Die Commerzbank soll Teil eines neuen europäischen Bankenriesen werden.

Frankfurt und Berlin wehren sich

Doch der Plan stieß auf Widerstand. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp (56) kämpft für die Eigenständigkeit der Bank, auch die Bundesregierung lehnt eine Übernahme ab. Trotzdem legte UniCredit Anfang Mai ein offizielles Übernahmeangebot vor. Die Italiener boten den Aktionären eigene Aktien im Tausch gegen Commerzbank-Papiere an. Die Commerzbank-Spitze riet ihren Aktionären, das Angebot abzulehnen. Lange schien es deshalb, als würden nur wenige Anleger darauf eingehen.

Orcels Plan geht auf

Doch viele Aktionäre entschieden sich anders und nahmen das Angebot von UniCredit an. Damit haben die Italiener ihren Einfluss deutlich ausgebaut und sind ihrem Ziel näher gekommen: der Kontrolle über Deutschlands zweitgrößte Privatbank. Für UniCredit-Chef Andrea Orcel (63) ist das ein wichtiger Etappensieg.

Die Commerzbank hält dagegen: Weniger als zwei Prozent der angedienten Aktien stammen nach Angaben der Bank von institutionellen und privaten Anlegern. Der Großteil komme von Banken und anderen UniCredit-nahen Parteien.

Für die Frankfurter Bank könnte das weitreichende Folgen haben. Orcel hat bereits angekündigt, im Fall einer Übernahme allein in Deutschland 7000 Vollzeitstellen streichen zu wollen. Noch ist die Übernahme nicht entschieden. Mehrere Aufsichtsbehörden müssen zustimmen. Doch die Italiener stehen heute so nah vor der Kontrolle der Commerzbank wie nie zuvor.

Vielleicht verpasst