Diese Vorwürfe erschüttern die Surf-Welt. Am Sonntag gab die World Surf League (WSL) bekannt, dass ein männlicher Profi nach „Vorwürfen schwerwiegender Natur“ suspendiert worden sei. Nur einen Tag danach meldet sich die deutsche Surferin Noah Lia Klapp (23) zu Wort: In einem ausführlichen Statement auf Instagram berichtet auch sie von sexuellen Übergriffen. Bei dem Surfer handele es sich um ihren Ex-Freund.
Laut der australischen Nachrichtensender ABC News geht es bei den aktuellen Vorwürfen um einen Vorfall auf Tahiti im August, nur einen Tag nach einem Wettkampf. Die Polizei sammle derzeit Beweise. Eine australische Teenagerin sei Opfer eines sexuellen Übergriffs durch mindestens drei Männer geworden. Bei der Polizei in New South Wales (Australien) sei eine Anzeige eingegangen.
Auch die International Surfing Association hat den Sportler mittlerweile vorläufig suspendiert, schrieb von „schwerwiegenden Missbrauchsvorwürfen“. In einer Erklärung heißt es: „Diese vorsorgliche Entscheidung wurde im Interesse der Sicherheit und des Wohlergehens der Athleten getroffen und stellt keine Feststellung eines Fehlverhaltens dar.“
Details zur Person werden nicht genannt. Der suspendierte Surfer hat sich bislang noch nicht geäußert. Allerdings nennt das Magazin „Surfing World“ einen Namen, auf den sich auch die deutsche Surferin Klapp bezieht.
„Pflicht als Frau, meine Geschichte öffentlich zu machen“
Klapp selbst wirft ihrem Ex-Partner ebenfalls Missbrauch vor. Klapp schreibt, die Beziehung habe etwa ein Jahr gedauert und begonnen, als sie 17 war. Sie habe ihn gewarnt: Sollte sie jemals von einem weiteren Opfer erfahren, würde sie die „ganze Wahrheit über unsere Beziehung preisgeben“.
Klapp: „Heute bin ich 23 geworden und wurde mit der Nachricht geweckt, dass gegen ihn und andere Männer Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe auf ein minderjähriges Mädchen erhoben wurden. Deshalb schreibe ich diesen Beitrag, denn es ist meine Pflicht als Frau, meine Geschichte öffentlich zu machen. Dieses Opfer und vielleicht auch andere verdienen jede Unterstützung, die sie brauchen. Ich möchte sicherstellen, dass es damit ein für alle Mal vorbei ist, denn er hat bereits eine zweite Chance bekommen, die er nicht verdient hat, und bewiesen, dass er im Innersten immer noch verdorben ist.“
Klapp, die in Spanien geboren und in den USA aufgewachsen ist, wurde 2019 für Deutschland U16‑Weltmeisterin. Im vergangenen Jahr beendete sie das Wettkampf-Surfen.
Der Beschuldigte habe sie fast die gesamte Beziehung über misshandelt. Klapp: „Er drückte mich oft auf dem Bett fest, packte meine Handgelenke mit aller Kraft, er hat mich viele Male sexuell missbraucht, er bezeichnete mich als Schlampe, als aufmerksamkeitsüchtige Hure, er versperrte die Tür zu unserem Zimmer und ließ mich nicht gehen, wenn er noch nicht mit mir fertig war, ich bin viele Male vor ihm geflohen; eine besonders eindringliche Erinnerung ist, wie er am Kragen meines Pullovers so heftig riss (…) und ich zu Boden fiel, woraufhin er mich zurück ins Zimmer zerrte, wo ich niemanden um Hilfe bitten konnte … Ich bereue es, ihn jemals kennengelernt zu haben, denn den Schaden, den er mir zugefügt hat, verarbeite ich schon seit langer Zeit in mir, und die Dinge, die ich erdulden musste, verfolgen mich im Schlaf.“
„Toxische Gruppen von Männern“
Warum sie bis jetzt nicht gesagt hat? Klapp: „Verdammt, ich wünschte, ich hätte es getan, und ein Teil von mir fühlt sich deswegen schuldig.“ Doch damals wäre für sie „das Schlimmste gewesen“, wenn sie endlich die Wahrheit gesagt, ihr aber keiner geglaubt hätte. Die Surfer-Szene habe ihn glorifiziert – als „coolen Typen“, „Olympioniken“ und „die Seele jeder Party“. Hinter verschlossenen Türen sei er jedoch „ein Vergewaltiger“ gewesen.
In den zehn Jahren als Profi-Surferin habe sie erlebt, wie „toxische Gruppen von Männern“ einander davon überzeugen, dass ihr Verhalten in Ordnung sei, „und sich sogar gegenseitig dazu drängen, sich so zu verhalten“. Sie spricht von „Typen, die mit Frauen auf der ganzen Welt schlafen und zu Hause eine Freundin oder Kinder haben“.
Unter dem Post drückten etliche Sportler und Sportlerinnen ihre Unterstützung aus, darunter die weltberühmten Surfer Kelly Slater (54) und Bethany Hamilton (36).
Klapp will weitere Geschichten öffentlich machen
In einem weiteren Post bedankt sich Klapp bei ihren Anhängern, betont jedoch: „Gleichzeitig bin ich entsetzt über die Zahl der Frauen und Mädchen, die mir unter vier Augen ihre eigenen Geschichten über sexuellen Missbrauch, Belästigung und Misshandlung innerhalb der Surf-Community anvertraut haben.“ Sie werde im Laufe der Woche weitere Geschichten von Opfern publik machen.