Juneau – Für Dan S. Sullivan (61) wird sein eigener Name plötzlich zum Problem. Der republikanische Senator aus Alaska kämpft bei den Midterm-Wahlen um eine dritte Amtszeit und muss seinen Wählern zugleich erklären, dass auf dem Stimmzettel noch ein zweiter, beinahe gleichnamiger Kandidat auftaucht: der frühere Grundschullehrer Daniel J. Sullivan Jr., der ohne Parteibezeichnung antritt.
„Der Lockvogel steht auf dem Wahlzettel. Tausende werden vermutlich einen falschen Namen auswählen. Denkt einfach drüber nach, wie respektlos das ist“, erklärte Dan S. Sullivan entsprechend aufgebracht in einem Pressestatement am Dienstag.
Unterstützung bekommt der Republikaner von US-Präsident Donald Trump (80). Der glaubt ebenfalls nicht an einen harmlosen Zufall und wirft den Demokraten vor, den zweiten Sullivan ins Rennen gebracht zu haben, um republikanische Wähler zu verwirren. Der US-Präsident wetterte bereits im Wahlkampf gegen den aus seiner Sicht „falschen“ Sullivan und sprach von Wahlbetrug.
Falscher Kandidat verschwunden
Am Dienstag, am Wahltag, legte Trump noch einmal nach. Auf Truth Social erklärte er: „Der falsche Alaska-Kandidat Danial J. Sullivan Jr. (sic!) ist verschwunden! Er ist komplett abgetaucht, weg! Niemand konnte ihn finden.“ Anschließend spottete Trump: „Vielleicht wurde er von den korrupten Anwälten der Demokraten ‚entführt‘???“ Belege für eine Entführung gibt es nicht. Tatsächlich war der Aufenthaltsort von Daniel J. Sullivan Jr. zuletzt unklar, er reagierte Medienberichten zufolge seit Tagen nicht auf Anfragen.
Noch am Morgen verschärfte Trump seinen Vorwurf bei „Fox & Friends“: „Das ist totaler Betrug. Es ist Betrug an den Wählern.“ Und weiter: „Und es ist eine Straftat.“ Bislang wurde allerdings niemand in Zusammenhang mit dem Fall angeklagt.
Namens-Duell jetzt Fall für Bundesjustiz
Doch inzwischen ist aus dem bizarren Namens-Duell tatsächlich ein Fall für die Bundesjustiz geworden. Das US-Justizministerium führt eine strafrechtliche Untersuchung dazu, wie Daniel J. Sullivan Jr. überhaupt in das Rennen gelangte. Und die Ermittler drehen offenbar weiter auf: Nach aktuellen Berichten werden im Zusammenhang mit der Untersuchung sogenannte „Target Letters“ sowie Aufforderungen zur Sicherung möglicher Beweismittel verschickt. Rund 20 Schreiben sollen insgesamt betroffen sein, wobei bislang nicht öffentlich bekannt ist, wie viele davon tatsächlich Target Letters sind und wer sie erhalten hat.
Schon zuvor hatte Alaskas Bundesstaatsanwalt Michael Heyman bestätigt, dass strafrechtlich untersucht werde, „wie und warum“ der pensionierte Lehrer erstmals für den Senat kandidierte. Welche möglichen Straftaten geprüft werden und gegen wen sich die Ermittlungen konkret richten, ließ er offen.
Und noch etwas macht die Sache brisant: Nach einem Bericht der „New York Times“, auf den mehrere Medien Bezug nehmen, sollen Personen aus dem Umfeld der demokratischen Kandidatin Mary Peltola an Bemühungen beteiligt gewesen sein, den zweiten Sullivan als Kandidaten zu gewinnen. Peltola selbst bestreitet eine Beteiligung. Auch Daniel J. Sullivan Jr. hat eine Abstimmung mit ihrem Wahlkampfteam bestritten.