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Cherson: 84-Jähriger flieht unter Gefahr sechs Kilometer zu Fuß

Cherson: 84-Jähriger flieht unter Gefahr sechs Kilometer zu Fuß
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Cherson/Oleschky – Er nahm nur eine Taschenlampe und ein Handy-Ladegerät mit. Dann ging Wassyl Saitschenko (84) los. Sechs Kilometer, drei lange Stunden. Ständig in Gefahr, von russischen Drohnen entdeckt zu werden. Raus aus der Stadt, in der er 60 Jahre lang gelebt hatte.

Fast ein halbes Jahr lang lebte der Rentner in fast völliger Isolation in Cherson, unter russischem Dauerbeschuss. Lebensmittel bekam er nur noch per Drohne geliefert. Das berichtet die „Ukrajinska Prawda“ unter Berufung auf die ukrainische Militärverwaltung der Stadt.

„Die Angriffe wurden heftig, es gab keine Heizung“, erzählt er. „Alle wurden evakuiert, aber ich wollte bleiben.“ Mit seiner Frau hatte er das Familienhaus gebaut, einen Obstgarten angelegt und Blumen gepflanzt. Doch am Ende blieb ihm nur die Flucht, als die Lage zu gefährlich wurde. Freiwillige empfingen ihn nach seinem dreistündigen Fußmarsch. In einem Übergangszentrum nahmen ihn Tochter und Enkel in die Arme. Jetzt lebt er bei der Familie in Nikopol. Am 22. November wird er 85. Sein größter Wunsch: „Sieg – und dass ich nach Hause zurückkehren kann.“

Die Stadtverwaltung warnt: Die Geschichte zeige, „wie wichtig es ist, die Evakuierung nicht hinauszuzögern“. Die Menschen in den gefährlichen Gebieten von Cherson sollten gehen, „solange sie es noch können“.

Gegenüber liegt die Geisterstadt Oleschky

Nur wenige Kilometer entfernt, am anderen Ufer des Dnipro, liegt das russisch besetzte Oleschky. Vor dem Krieg lebten dort 24.000 Menschen.

Heute: kein Strom, kein Gas, kein fließendes Wasser, kaum medizinische Versorgung. Wer floh, riskierte sein Leben unter dem Beschuss der Russen. Von Oleschky aus sollen russische Drohnenpiloten Jagd auf Zivilisten in Cherson machen.

Feuerpause dank Melania Trump

Dann der Durchbruch: Auf Vermittlung von US-First-Lady Melania Trump (56) schwiegen im Raum Cherson die Waffen. Die Menschenrechtsbeauftragten beider verfeindeter Länder, Dmytro Lubinez und Jana Lantratowa, reisten gemeinsam nach Oleschky und überwachten die Evakuierung. 25 Busse standen bereit, beschriftet mit „Ukraine“ oder „Russland“.

Wie viele Menschen tatsächlich aus der umkämpften Stadt fliehen konnten, ist unklar. Mehr als 1000 Zivilisten sollen noch immer in Oleschky leben. Die Waffenruhe endet am Sonntagabend – dann kommt wohl der Krieg zurück in die zerbombte Stadt.

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