Nach Kritik in den USA an der Absetzung der Show haben sich auch deutsche Medienschaffende der Kritik an dem Umgang des Senders ABC mit dem Talkmaster angeschlossen. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) warnte vor „vorauseilendem Gehorsam“ gegenüber der Regierung von US-Präsident Donald Trump. In einem Statement mit dem Titel „Nicht vor MAGA-Kult einknicken“ rief der DJV US-Medien dazu auf, „ihren Journalistinnen und Journalisten den Rücken zu stärken“ und nicht im Voraus Wünschen der US-Regierung nachzugeben.
ABC hatte die Late-Night-Show von Jimmy Kimmel für unbestimmte Zeit ausgesetzt, nachdem sich Vertreter staatlicher Organe über eine Äußerung des Talkmasters empört hatten. Im Kontext der Debatte um das Motiv des Tatverdächtigen im Fall des Attentats auf den rechten, Trump-nahen MAGA-Aktivisten Charlie Kirk deutete Kimmel an, der mutmaßliche Attentäter könne womöglich selbst der rechten Bewegung um den US-Präsidenten angehört haben. Konkret sagte Kimmel, die „MAGA-Gang“ versuche „verzweifelt“, den mutmaßlichen Täter „als irgendetwas anders als einen von ihnen darzustellen“.
DJV kritisiert „Liebdienerei gegenüber Trump“
Eine Sendergruppe, zu der 32 Sendepartner von ABC gehören, teilte anschließend mit, Kimmels Show zunächst nicht mehr ausstrahlen zu wollen, da die Äußerungen des Talkmasters „in einer kritischen Phase unserer nationalen politischen Debatte beleidigend und unsensibel seien“. Brendan Carr, Leiter der US-Medienaufsicht FCC, drohte seinerseits dem Mutterkonzern von ABC an, gegen ihn vorzugehen. Trump begrüßte öffentlich Kimmels Absetzung.
„Wir beobachten eine galoppierende Erosion der Presse- und Meinungsfreiheit in den USA“, sagte dazu DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster. „Dass Trump und sein MAGA-Gefolge aus allen Rohren gegen Medienschaffende schießen, erinnert an das Gebaren autokratischer Machthaber.“ Mit Blick auf den Sender CBS, der im Juli das Aus für die Show des Trump-Kritikers Stephen Colbert angekündigt hatte, sagte Beuster weiter: „ABC und CBS unterliegen einem Trugschluss. Ihre Liebdienerei gegenüber Trump bringt ihnen keine Ruhe, sondern wird weiteren Druck zur Folge haben.“
Auch in den USA kritisierten Vertreter der Kulturbranche die Absetzung von Kimmels Show. So schrieben die Autorengewerkschaften WGA East und WGA West schrieben in einer gemeinsamen Presseerklärung: „Wenn freie Rede nur für Ideen gilt, die uns gefallen,
dann hätten wir uns nicht damit behelligen müssen, sie in die Verfassung
zu schreiben. (…) Schande über jene in der Regierung, die diese
grundlegende Wahrheit vergessen haben. Was unsere Auftraggeber betrifft,
unsere Worte haben euch reich gemacht.“ Es mache „die ganze Welt“ ärmer, Stimmen wie die von Kimmel verstummen zu lassen. „Die WGA steht an der Seite von Jimmy Kimmel und seinen Autoren.“
