In der Zombie-Reha

Es ist einfacher, sich das Ende der
Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus. Dieses Bonmot, mal Slavoj Žižek, mal Fredric Jameson zugeschrieben, wird von der Popkultur seit Jahren illustriert.
Die Postapokalypse boomt, der Spaß fängt erst an, nachdem die Welt
untergegangen ist.  der neueste Film derReihe von Danny Boyle und
Alex Garland, zeigt nun besonders grausame Auswüchse der Barbarei.

Der erste Film, ließ 2002 die
Figur des Zombie ins 21. Jahrhundert rennen statt wie bisher stolpern, wo sie
mit der Serieund einer Vielzahl an Filmen zu
einem der beliebtesten Genres der letzten Jahrzehnte wurde. 2007 folgte und im vergangenen Sommer, mit dem gleichzeitig eine eigene Trilogie begann.

Diese wird mit nun übergangslos fortgesetzt. Im Zentrum steht wieder der junge Spike (Alfie Williams), der zuletzt seine
Mutter durch das zombieverseuchte
Nordengland zu einem sagenumwobenen Arzt (Ralf Fiennes) begleitet hatte, der sie von
ihren psychischen Problemen heilen sollte. Nun ist Spike selbst Teil einer zweifelhaften Gang geworden, der Jimmies. Der Sektenanführer Jimmy, gespielt von Jack O’Connell, zieht mit seinen Anhängern, Teenagern in
blonden Vokuhila-Perücken, durch die Lande. Gemeinsam morden und foltern sie andere Überlebende. Alles im Dienste an ihrem Herrn,
Old Nick, also Satan.

Wie so oft im Horrorfilm sind es
nicht die offensichtlichen Monster, die am meisten Furcht erregen, sondern die
Überlebenden: Als Zuschauer sollte man wissen:
enthält Szenen von schockierendem Sadismus, etwa wenn die Teufelsanbeter anderen
Überlebenden bei lebendigem Leib die Haut abziehen.

Vielleicht ist dieses ganze Zombie-Zeug ja nur eine Psychose?

Zum ersten Mal führt nicht Danny Boyle Regie, sondern die US-amerikanische Regisseurin Nia DaCosta, die sowohl im Arthouse-Horror (für ihren Film schrieb sie gemeinsam
mit Jordan Peele das Drehbuch) als auch im Superheldengenre () zuhause ist. Wie würde sie an eine Reihe herangehen, die bisher ohne Heldenpathos auskam? Würde sie sich wie ihr Vorgänger mehr der emotionalen Verheerung widmen als dem Action-Spektakel?  

Zumindest optisch hat DaCosta einen konventionelleren Film gedreht. Boyle hatte sowohl bei als auch bei 
billige Digitalkameras und zuletzt sogar iPhones eingesetzt, was
den Filmen einen Hauch von Dogma95 und verlieh, manchmal sogar eine psychedelische Anmutung. DaCosta vermeidet solche
Spielereien und setzt auf eine klassische, an manchen Stellen mit
wunderschönen, ruhigen Bildern des Kameramanns Sean Bobbit ausstaffierte
Fortsetzung. 

Psychedelisch geht es nur in den
Köpfen der Protagonisten zu. Ralph Fiennes‘ Dr. Kelson geht weiterhin seinem
bizarren Projekt nach, aus Leichen den titelgebenden Knochentempel zu bauen, dessen Zentrum ein morbider Weihnachtsbaum ist, eine Pyramide
aus Schädeln. Dieses Beinhaus soll ein gigantisches Memento Mori werden. Als
müsste irgendjemand in diesem Film noch zusätzlich daran erinnert werden, dass
wir alle sterben werden.

Kelson sieht mit seiner
jodverschmierten roten Haut zwar irre aus, aber, auch wie so oft im
Horrorfilm, beherbergen die Wahnsinnigen den letzten Rest Vernunft. Um sich durchzuschlagen, betäubt der Arzt Infizierte, die ihn angreifen, mit Giftpfeilen
aus einem Blasrohr. Irgendwann bemerkt Kelson, dass der größte und stärkste
Zombie der Gegend eigentlich ganz umgänglich wird, wenn man ihn mit Opioiden versorgt.
Kelson und Samson, wie der Arzt seinen neuen Zombie-Kumpel wegen seiner langen
Haare und seiner großen Kraft nennt, chillen sogar zugedröhnt auf einer Wiese.
Vielleicht ist dieses ganze Zombie-Zeug ja nur eine Psychose, die geheilt
werden könnte?

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