VW-Chef Oliver Blume sieht in der staatlich gelenkten Wirtschaft in China ein Vorbild für Deutschland. „Die Chinesen gehen sehr planerisch vor mit sogenannten Fünfjahresplänen und haben dort auch klare Prioritäten“, sagte er der „Bild am Sonntag“. „Das ist optimal durchstrukturiert. Und was wir in China sehr positiv erleben, ist eine hohe Disziplin und Leistungsbereitschaft, die Themen umzusetzen.“
Es lohne der Blick über den eigenen Gartenzaun. „Zu schauen, wie es andere Länder machen, und in China können wir dort auch einiges lernen, wie das Land sich entwickelt hat“, sagte Blume.
Die Europäische Union führt dagegen den Erfolg der chinesischen Automobilindustrie in Europa auch auf staatliche Subventionen und damit Wettbewerbsverzerrung zurück. Der Staatenbund hat deswegen im Oktober 2024 Einfuhrzölle auf Elektroautos aus China in Kraft gesetzt. Anfang 2026 hat die EU-Kommission nachgelegt und Mindestpreise für chinesische E-Autos vorgeschlagen.
Mit Blick auf den „Autogipfel“ von Bundeskanzler Friedrich Merz sagte der VW-Chef: „Jetzt wird es entscheidend sein, zügig zu entscheiden und hinter die jeweiligen Themen einen konkreten Plan zur Umsetzung zu machen.“ Es müsse gemessen werden, wie man dabei vorankomme. „Jetzt hoffe ich stark darauf, dass wir dort Tempo aufnehmen.“
Zuletzt hatte der Konzern einen drastischen Abbau von 50.000 Stellen angekündigt aufgrund starker Gewinneinbrüche. Dennoch will Blume am Standort Deutschland festhalten, fordert aber radikale Produktivitätssteigerungen. „Wir werden auch in Zukunft weiterhin Kapazitäten auf den Prüfstand stellen“, machte Blume mit Blick auf weltweite Überkapazitäten deutlich.
Angesichts gesunkener operativer Ergebnisse betonte Blume, dass sich die Weltmärkte komplett verschoben hätten: „Fahrzeuge in Deutschland zu entwickeln, bauen und dann zu exportieren, funktioniert nicht mehr.“ Die verschiedenen Weltregionen hätten sich zu stark verändert.
Blume bestätigte das Ziel, dass die Stellen in Deutschland bis 2024 sozialverträglich abgebaut werden sollen. Zu Berichten über mögliche Werksschließungen erklärte er, Überkapazitäten kosteten Geld, weshalb man die Werke an „klare Fabrikkostenziele“ gekoppelt habe. Dies gelte nicht nur für Deutschland und Europa, sondern auch für China. Zwar lohne sich „Made in Germany“ laut Blume auch in Zukunft, doch die Kosten seien zu hoch. „Wir haben eine höhere Kostenstruktur, auch bei den Lohnkosten. Und das müssen wir kompensieren mit höherer Produktivität“, forderte er.
Zudem kritisierte er die politischen Rahmenbedingungen: „Wir haben zu hohe Energiekosten und eine zu hohe Regulatorik.“ Trotz der aktuellen Krise sieht er Lichtblicke: Die Auftragsbestände seien deutlich gestiegen, und die Produkte würden gut angenommen. Dennoch bleibe die Ansage klar: „Die Sanierung geht weiter“, so Blume abschließend.
