Dax-Konzerne im Teilzeit-Modus? Diese Zahlen offenbaren eine andere Realität

Mit einer Forderung zur Teilzeitarbeit hat der Wirtschaftsflügel der CDU eine Leistungs-Debatte entfacht. Der Vorschlag: Der Anspruch auf Teilzeitarbeit soll eingeschränkt werden. Die Rede ist von „Lifestyle-Teilzeit“ derjenigen, die ohne Angabe konkreter Gründe weniger arbeiten. Der Antrag soll auf dem Bundesparteitag am 20. Februar in Stuttgart diskutiert werden. Wer Kinder erzieht, sich weiterbildet oder Angehörige pflegt, soll allerdings auch künftig in Teilzeit arbeiten dürfen.

Die Forderung zieht trotzdem Kritik nach sich. Der Koalitionspartner SPD etwa sieht einen Angriff auf hart erkämpfte Arbeitnehmerrechte. Den Grünen zufolge zeichnet der Vorschlag und das Wording ein falsches Bild von der Lebensrealität von Frauen und älteren Menschen. Auch aus den eigenen Reihen gibt es Kritik.

Die CDU hat mittlerweile angekündigt, zumindest den Begriff „Lifestyle“ zurücknehmen zu wollen. Als Begründung für den Antrag stützt sich der Wirtschaftsflügel auf eine Datenerhebung. Dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge ist die Teilzeitquote in Deutschland zuletzt auf über 40 Prozent gestiegen und liegt damit so hoch wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik.

Doch wie viele Beschäftigte arbeiten bei den wichtigen Dax-Konzernen tatsächlich in Teilzeit? Und wie bewerten Volkswagen, Allianz und die Deutsche Bank die Forderung der CDU? WELT hat bei allen 40 Dax-Unternehmen nachgefragt. Mehr als die Hälfte hat uns geantwortet. Das Ergebnis? Überraschend.

15 Prozent der Dax-Mitarbeiter in Teilzeit

Die Befragung zeigt, dass im Schnitt nur 15 Prozent der Mitarbeiter in Dax-Unternehmen in Teilzeit arbeiten. Dabei sind die Zahlen sehr unterschiedlich. Bei DHL etwa arbeiten rund ein Drittel der Angestellten nicht Vollzeit. Bei der Commerzbank sind es 25,7 Prozent, auch Adidas kommt auf mehr als 25 Prozent.

Bei anderen Unternehmen sind es deutlich weniger, zum Beispiel bei Volkswagen. Von rund 679.472 Mitarbeitern weltweit arbeiten gerade einmal 17.500 in Teilzeit. Bei Siemens Energy sind es 6,5 Prozent, bei Mercedes-Benz rund sieben Prozent.

Unternehmen sprechen von modernen Arbeitsmodellen

Die meisten Unternehmen teilten WELT auf Anfrage mit, dass die Teilzeitquoten innerhalb der letzten zehn Jahre angestiegen oder zumindest gleichgeblieben seien. Bei Bayer hat die Quote um drei Prozent zugenommen, bei der Commerzbank hingegen abgenommen. Alle Unternehmen teilten auf Anfrage mit, dass sie ihre Mitarbeiter in den unterschiedlichsten Lebenssituationen unterstützen wollten und daher flexible Arbeitsmodelle, zu denen auch Teilzeit gehöre, ermöglichen.

Hier können Sie sehen, wie viele Mitarbeiter in Dax-Unternehmen in Teilzeit arbeiten und was die Unternehmen über das Modell denken. Die Daten beziehen sich je nach Unternehmen auf Erhebungen aus den Jahren 2024, 2025 und 2026: