Politologin sieht „ein ganz massives Warnzeichen“ für die CSU in Bayern

Die Kommunalwahlen in Bayern haben zum Teil völlig unerwartete Ergebnisse hervorgebracht: In der Landeshauptstadt München regiert künftig ein grüner Oberbürgermeister. In Regensburg holt ein SPD-Kandidat einen schier aussichtslos erscheinenden Rückstand auf. Die Freien Wähler verdoppeln die Zahl ihrer Landräte, die CSU schaut häufiger als gedacht in die Röhre. Und der Amtsbonus scheint deutlich seltener eine Rolle zu spielen als früher.

Die CSU muss Federn lassen

Die Partei von Ministerpräsident Markus Söder lässt auf der kommunalen Ebene Federn. In Augsburg muss die CSU-Oberbürgermeisterin die Segel streichen, in Regensburg reicht es trotz eines deutlichen Vorsprungs im ersten Wahlgang nicht, Schweinfurt geht nach 30 Jahren CSU-Dominanz an die SPD. Und vor allem: Abseits der Städte verlieren die Christsozialen ein gutes Dutzend der bayernweit 71 Landratsposten – vor allem an die Freien Wähler, aber auch an die Grünen.

„Ein ganz massives Warnzeichen“ sei das für die CSU, sagt die Politologin Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung. „Wenn der CSU auf kommunaler Ebene Vertrauen verloren geht, muss das Markus Söder zu denken geben.“ Bisher habe sich die Partei immer auf ihr Wurzelgeflecht in den Kommunen verlassen können.

Eine persönliche Niederlage für Söder bedeute der Wahlausgang nicht, meint Münch – sie sieht aber mögliche Auswirkungen. „Das waren zwar keine Entscheidungen gegen Markus Söder persönlich. Ihm fehlt damit aber der erhoffte Rückenwind für die nächsten Wahlen.“

Die Freien Wähler gewinnen – als kommunale Kraft

Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger ist nach der Kommunalwahl obenauf – obwohl er seit Jahren daran arbeitet, seine Partei auch noch ganz anders auszurichten. Obwohl er das Image der „Bürgermeisterpartei“ abschütteln und auch – vergeblich – in den Bundestag einziehen wollte.

Der Wahlausgang zeigt nun: Die Freien Wähler sind genau dort stark, wo sie einmal herkamen – in der Kommunalpolitik. Die Zahl der Landräte wurde verdoppelt – von 14 auf 28. Und zwei Oberbürgermeister-Posten konnten die Freien Wähler erobern.

Amtsbonus verliert an Bedeutung

Amtsinhaber haben es längst nicht mehr so leicht, in ihren Ämtern bestätigt zu werden. In den drei größten Städten Bayerns schaffte es lediglich der Nürnberger Oberbürgermeister Marcus König (CSU) wieder ins Amt – und auch das nur im zweiten Wahlgang. In vielen Städten wurden die Amtsinhaber abgewählt.

„Die Bereitschaft, Amtsinhaber in die Wüste zu schicken, ist gewachsen“, erklärt Münch. Die Wechselbereitschaft bei Kommunalwahlen sei relativ groß, die Parteibindungen nähmen ab.

Die Münchner wollten den Wechsel

Die Kommunalwahl 2026 hat die politische Karriere von Oberbürgermeister Dieter Reiter beendet. „Das war’s von mir“, sagte der SPD-Politiker, als die Stichwahl noch gar nicht vollständig ausgezählt war. Reiter stolperte über Vorwürfe, die er sich selbst zuzuschreiben hat. Er nahm Posten und Geld vom FC Bayern München an, ohne sich dies vorschriftsmäßig genehmigen zu lassen.

Vielleicht habe Reiter auch ein bisschen amtsmüde gewirkt, sagt Münch. „Und ein bisschen sehr selbstsicher und selbstzufrieden. Das hat viele Wähler dann dazu gebracht, dass sie doch einen Wechsel haben wollen.“

Die AfD gewinnt Stimmen, aber keine Chefposten

In ganz Deutschland kann die AfD Stimmen zulegen, fährt ein Rekordergebnis nach dem anderen ein – aber in Bayern bekommt die Partei kein einziges Bürgermeisteramt. Und – anders als etwa Grüne und SPD – auch keinen Landratsposten. In den Gremienwahlen, also in Stadt- und Gemeinderäten sowie Kreistagen, wo es weniger um Persönlichkeiten geht, legte die AfD allerdings deutlich zu.

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