Schafft er, was in Baden-Württemberg misslang?

Am Ende soll es feierlich werden. Friedrich Merz und Gordon Schnieder stehen auf der Bühne und singen gemeinsam die deutsche Nationalhymne. Die Stadtkapelle spielt, Hunderte Menschen in der Salierhalle in Bad Dürkheim singen mit. Der Bundeskanzler ist in die Pfalz gereist, um Schnieder, 50, Landes- und Fraktionsvorsitzender der CDU, mit einem gemeinsamen Auftritt zu unterstützen. Rheinland-Pfalz, sagt Merz, müsse in Wirtschaft und Wissenschaft wieder an die Spitze. „Und genau das traue ich Gordon Schnieder und seiner Mannschaft zu.“ Schnieder lächelt und klatscht und sagt: „Es hat so viel Spaß gemacht“, die vergangenen Monate, der Wahlkampf.

Merz ist auch gekommen, um klarzumachen, worum es bei dieser Wahl geht. Er bringt den bundespolitischen Kontext mit: die Koalition in Berlin. Am Montag wolle er mit beiden Parteivorsitzenden der SPD darüber beraten, wie man Deutschland „gemeinsam“ wieder auf Kurs bringe.

Da käme es gelegen, nach der Niederlage in Baden-Württemberg, wenn die CDU im konservativen Rheinland-Pfalz nach 35 Jahren SPD endlich wieder einen Ministerpräsidenten stellt. Oder, vielleicht sogar noch besser, nur mitregiert. Denn, das sagt Merz zwar nicht, aber wenn die SPD in Rheinland-Pfalz verliert, dann könnte der ohnehin schon angeschlagene Koalitionspartner auch im Bund kippeln.

Gewinnen, das hat die CDU hier schon oft versucht, führte die Umfragen lange an, und verlor dann am Ende doch. Zuletzt zweimal mit Julia Klöckner und einmal mit Christian Baldauf. Eine rheinland-pfälzische Eigenart bei Landtagswahlen.

Doch an diesem Freitagabend in Bad Dürkheim liegt Gordon Schnieder, 1,93 Meter groß, wohnhaft im 1.000-Einwohner-Ort Birresborn in der Vulkaneifel, immer noch knapp vorn. Die CDU kann einer am Donnerstag veröffentlichten Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen zufolge mit 29 Prozent der Stimmen rechnen. Die SPD, die Partei des amtierenden Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer, mit 27 Prozent. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Und doch: Auf die Frage, wen sie am liebsten als Ministerpräsidenten hätten, nannten 40 Prozent der Befragten Schweitzer – und nur 25 Prozent Schnieder.

Dafür gibt es Gründe. Gordon Schnieder muss vor dieser Wahl zwei Dinge jonglieren. Erstens: Er ist ein höflicher, sachorientierter, bisweilen ruhiger Politiker. Dafür wird er geschätzt. Gleichzeitig wissen in Rheinland-Pfalz viele Menschen deshalb kaum etwas über ihn. Auch, weil er bis zu den Wahlduellen, anders als Alexander Schweitzer, kaum im Fernsehen war. Er ist authentisch (meinen die einen) oder zu blass (meinen die anderen). In der Salierhalle in Bad Dürkheim sagt ein älterer Herr mit einem bunten Tuch der ZEIT, er sei nicht wegen Schnieder hergekommen. Er werde Schweitzer wählen. Nur den Bundeskanzler wollte er unbedingt mal „live“ sehen. Ein weiterer Besucher sieht das anders: Jeder Demokratie tue ein Wechsel gut, die Strukturen der SPD seien verkrustet. Er wird wegen Schnieder die CDU wählen.

Und dann ist da noch das Zweite: die Unzufriedenheit der Deutschen mit der CDU in der Bundesregierung (Stichwort Lifestyle-Teilzeit). Schnieder hat seinen Wahlkampf in den vergangenen Wochen manchmal trotz seiner Partei gemacht, nicht mit ihr. Aber als Merz und er dann gemeinsam zur Melodie von“ von Tina Turner () in die Halle einlaufen, wirkt das doch ziemlich herzlich vereint.

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