„Am siebten Tag machte Gott eine Pause, weil Chuck Norris seine Ruhe haben wollte“

Unter den vielen Chuck-Norris-Witzen, die seit Jahrzehnten kursieren, ist auch dieser: „Er ist eigentlich schon vor 10 Jahren gestorben. Der Tod hatte bisher nur noch nicht den Mut, es ihm zu sagen.“

Dass der Sensenmann nun doch diesen Schritt gewagt hat, und der legendäre Kampfsport- und Actionfilmstar im Alter von 86 Jahren auf Hawaii wirklich von uns gegangen ist, nachdem er wegen eines Notfalls in Krankenhaus eingeliefert wurde, erstaunt. Und Norris-Fans, von denen es weltweit Millionen gibt, macht es natürlich sehr traurig.

Den Verweis auf den Witz anlässlich seines Todes hätte der jetzt Verstorbene nicht pietätlos gefunden – er verstand Spaß, hatte durchaus eine Ader für rustikalen Humor. Das Universum von Witzen, die seinen Nimbus als ultraharte Kampfmaschine aufs Korn nehmen, kannte und mochte er, wie er in Interviews schmunzelnd sagte. Und daraus wurde gleich der nächste Norris-Witz gestrickt: „Chuck Norris lacht über diese Witze, denn sie untertreiben“.

Kein Wunder, denn er konnte „ein Feuer entfachen, indem er zwei Eiswürfel aneinander reibt“. Und: „Chuck braucht keine Fernbedienung, der Fernseher schaltet aus Angst um.“ Das gilt sicher auch in der Abteilung für Action-Ikonen auf Wolke 7.

Hart, härter, Norris. Großen Anteil an der Kultivierung dieses Images hatten die herrlich überdrehten Actionfilme aus der legendären B-Movie-Schmiede Cannon Films. In den 1980ern, einem goldenen Zeitalter des Genres, entstanden Klassiker wie „The Delta Force“, „Missing in Action“ und „Invasion USA“, in denen Norris ganze Heerscharen von Feinden pulverisierte und dabei immer lässig blieb. Damit erreichte er ein Millionenpublikum stieg in die Riege der größten Actionstars auf, mit Kollegen wie Sylvester Stallone oder Arnold Schwarzenegger. Zwar waren seine Filme etwas gröber gestrickt und günstiger produziert als die von Sly und Arnie, aber sie hatten dennoch enormen „Wumms“.

Doch bevor er zu einem der bekanntesten Gesichter des Actiongenres wurde, hatte er sich längst im Wettkampf-Kampfsport einen Namen gemacht. Seine Schlagkraft war also nicht gespielt, sondern echt, auch wenn der folgende Witz wohl eine Übertreibung ist: „Chuck Norris hat binnen 23 Minuten den Mount Everest bestiegen. Es hätte nur 10 Minuten in Anspruch genommen, wenn der Berg nicht versucht hätte zu flüchten.“

Sechsmal gewann er ungeschlagen die World Professional Middleweight Karate Championship. Darüber hinaus begründete er mit Chun Kuk Do einen eigenen, von koreanischen Traditionen geprägten amerikanischen Karate-Stil.

Wie Stallone und Schwarzenegger wuchs Norris in bescheidenen Verhältnissen auf, kämpfte sich mit eisernem Willen nach oben. Nach dem Schulabschluss trat er 1958 in die U.S. Air Force ein. Während eines Einsatzes in Korea begann er mit dem Training in Kampfkünsten, darunter Judo und Tang Soo Do. 1982 sagte er über diese Zeit: Er habe sich in der Schule zwar in Gymnastik und Football versucht, sei aber keineswegs ein Naturtalent gewesen. Wirklich athletisch, so Norris, sei er erst während seiner Militärzeit in Korea geworden.

Nach seiner ehrenvollen Entlassung aus dem Militär im Jahr 1962 arbeitete Norris zunächst als Aktenverwalter bei Northrop Aircraft. Parallel bewarb er sich bei der Polizei, kam jedoch zunächst nur auf eine Warteliste. Stattdessen begann er, ein Kampfsportstudio aufzubauen, aus dem später eine ganze Kette wurde. Zu seinen Schülern gehörten prominente Namen wie Priscilla Presley oder Steve McQueen. Gerade McQueen, so erzählte Norris später, habe ihn ermutigt, den Weg nach Hollywood einzuschlagen.

Ende der 1960er-Jahre stieg Norris ins Filmgeschäft ein. Zur Leinwandikone machte ihn sein Kampf gegen den Kung-Fu-Superstar Bruce Lee in dem Film „Die Todeskralle schlägt wieder zu“ von 1972. Nach den großen Cannon-Zeiten der 1980er wechselte er 1993 bis 2001 erfolgreich ins Fernsehen: Als „Walker, Texas Ranger“ ließ er dem Verbrechen weiterhin keine Chance. 2010 verlieh der damalige texanische Gouverneur Rick Perry dem überzeugten Unterstützer der Republikaner, der auch in Wahlwerbespots mit Bezug auf die Witze über ihn auftrat, den Ehrentitel eines Texas Rangers, später ernannte ihn auch der texanische Senat zum „Ehren-Texaner“.

Über die Serie sagte Norris 1996, sie wolle keine Gewalt um ihrer selbst willen zeigen, sondern einen moralischen Rahmen setzen: den Kampf des Gerechten gegen das Unrecht, des Guten gegen das Böse. Auch danach ging es weiter: 2012, nun bereits als Altstar, war er auch beim großen Action-Ikonen-Reunion-Knaller „Expendables 2“ dabei. Seinen letzten Auftritt hatte er in „Agent Recon“ von 2024.

Nach seinem Tod am 19. März 2026 veröffentlichte seine Familie eine Erklärung: „Auch wenn wir die Umstände privat halten möchten, möchten wir Ihnen versichern, dass er von seiner Familie umgeben war und in Frieden gegangen ist.“ Weiter heißt es: „Für die Welt war er ein Kampfkünstler, Schauspieler und ein Symbol der Stärke.“ Das ist natürlich eine Untertreibung. Denn: „Das Auto von Chuck Norris braucht kein Benzin, es fährt aus Respekt.“ Und: „Am siebten Tag machte Gott eine Pause, weil Chuck Norris seine Ruhe haben wollte“. Das gilt wohl auch weiterhin, jetzt wo Norris da oben im Himmel kräftig mitmischt.

Für WELTGeschichte blickt Martin Klemrath neben klassischen historischen Themen auch regelmäßig auf popkulturelle Phänomene vergangener Jahrzehnte zurück. Darunter Bruce Willis als eine weitere Actionikone: John McClane.

Mehr lesen