Die Journalistin Julia Ruhs hat nach der Beendigung ihres Engagements beim Format des Norddeutschen Rundfunks (NDR) Vorwürfe gegen den Sender erhoben. „Ich glaube, für den NDR bin ich zu rechts“, sagte sie im Podcast . Dabei verteidigte sie den Bayerischen Rundfunk (BR), für den sie weiter tätig bleiben kann: „Die stehen hinter mir.“
NDR und der BR, die gemeinsam produzierten, hatten am Mittwoch mitgeteilt, dass das Format nach den ersten drei Pilotfolgen zwar weitergeführt wird – künftig jedoch teilweise ohne Ruhs. Sie werde nur noch bei den vom BR verantworteten Sendungen als Moderatorin eingesetzt.
Ruhs wirft NDR fehlende Meinungsvielfalt vor
„Offenbar hält der NDR weniger Meinungsvielfalt aus als der BR“, sagte Ruhs bei . „Für die fängt die Rechtsradikalität wahrscheinlich schon an, wenn man beispielsweise sagt, man findet Positionen von Friedrich Merz gut.“ Dem NDR warf sie vor, „Meinungen zu kriminalisieren, die eigentlich noch Mitte oder Mitte-rechts sind und weit entfernt von extremistischen oder radikalen Positionen“.
Sie selbst stufe sich als „Mitte-rechts“ ein, sagte Ruhs: „Mit der FDP und mit der Union kann ich gut leben. Ich habe mich auch immer klar von der AfD distanziert. (…) Aber es genügt ja, dass man rechts genug ist, um diesen Vorwurf abzubekommen, man sei irgendwie AfD-nah. Es sei „die übliche Taktik, um jemanden mundtot zu machen“.
Zur Kritik an ihrem Format, etwa einer Folge über das Thema Migration, sagte Ruhs, es sei „Quatsch“, dass die Bearbeitung kontroverser Blickwinkel der AfD nutze. Umgekehrt sei es das Herauslassen der Themen aus dem öffentlichen Diskurs, was dazu führe, dass „die Leute abwandern von öffentlich-rechtlichen“ Medien und sich bei „irgendwelchen schlecht recherchierten, teilweise auch wirklich radikaleren Quellen“ informierten. Es sei ihr Anspruch gewesen, Menschen zurückzugewinnen, die sich von öffentlich-rechtlichen Medien abgewendet hätten. Dem NDR und Mitarbeitern warf Ruhs vor, diesen Anspruch nicht zu teilen.
NDR-Mitarbeiter kritisierten Ruhs‘ Format
Am Mittwoch hatte sie sich bereits auf X ähnlich geäußert. Sie und ihr Team seien „fassungslos“ über die Entscheidung des Senders. , eine Sendung, die sich gesellschaftlich umstrittenen Fragen widmen soll, habe „Zuschriften von Fans“ erhalten, die angegeben hätten, „wieder Hoffnung“ in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu haben. „Und jetzt? Wurden all die Vorurteile, die sie in Bezug auf die Meinungsvielfalt schon hatten, bestätigt.“
Der NDR hatte seinerseits keine Gründe für das Ende der Zusammenarbeit mit Ruhs genannt. Das Format soll nach Angaben des Senders „auch in Zukunft Streitfragen aufgreifen, die in der Mitte der Gesellschaft kontrovers diskutiert werden“. Die drei bisher erschienenen Folgen beschäftigten sich mit Migration, der Corona-Pandemie und Unzufriedenheit von Landwirten. Auch Mitarbeiter des NDR hatten das Format kritisiert und beklagten „eine mangelnde Ausgewogenheit der Sendung, eine Überfrachtung mit Einzelthemen sowie eine zu starke Emotionalisierung“.
Linnemann fordert finanzielle Folgen für öffentlich-rechtliche Medien
Die Journalistin erhielt auch Unterstützung von mehreren Politikern der Union. So schrieb Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) auf X, die Entscheidung des NDR sei „sehr problematisch“. Meinungsvielfalt gehöre zu den zentralen Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: „Wird diese Freiheit eingeschränkt, ist der gebührenfinanzierte Rundfunk nicht mehr in der Lage, die Probleme unserer Gesellschaft anzusprechen und bekommt ein Rechtfertigungsproblem.“
CDU-Generalsekretär Casten Linnemann sprach bei Welt TV von einem „neuen Tiefpunkt in Sachen Debattenkultur in Deutschland.“ Zugleich schlug er mehr Druck auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vor: „Ich finde, man muss jetzt beispielsweise klar sagen, wir frieren die Gebühren auf dem jetzigen Niveau bis auf Weiteres ein, damit endlich Druck entsteht, damit Reformen passieren.“ Von einem „extrem schlechten Signal“ sprach auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schrieb auf X, konservative Stimmen gehörten zum demokratischen Meinungsspektrum, „auch wenn das einigen Linken nicht gefällt“.
